Datum: 07-09-2010 17:46

Das Projekt "Riese"

Während des Zweiten Weltkrieges begannen im nordwestlichen Teil des Eulengebirges sowie in der Umgebung des Schlosses Fürstenstein in den Waldenburger Bergen Berg- und Bauarbeiten in bis dahin unbekanntem Ausmaß.
Die Arbeiten an den Komplexen "Rzeczka", "Jugowice Górne-Jawornik", "W³odarz", "Osówka", "Soboñ", "Sokolec - Gontowa" und "Ksi¹¿" begannen im Jahre 1943, obwohl die Arbeiten schon früher hätten durchgeführt werden können, bereits gegen Ende der 30-er Jahre des 20. Jahrhunderts. Anfangs wurden sie unter der Aufsicht der eigens zu diesem Zweck gegründeten Schlesischen Industriegesellschaft AG durchgeführt, die ihre Baugeneraldirektion in Jedlina Zdrój (12 km von Walim entfernt) hatte. Bei den Arbeitskräften handelte es sich um ausländische Zwangsarbeiter, für die vier Lager in der Umgebung eingerichtet wurden: Walim, Kolce, G³uszyca und G³uszyca Górna.
Im April 1944 übernahm die Organisation Todt den Bau und und führte das Bauvorhaben unter Federführung einer Oberbauleitung weiter, die mit dem Codenamen "Riese" benannt wurde. Sitz der Oberbauleitung blieb Jedlina Zdrój, Arbeitskräftelieferant wurde das Konzentrationslager Groß-Rosen. Für die Erfordernisse der Bauten im Eulengebirge und in Ksi¹¿ wurde ein Arbeitslager (AL) mit dem Namen "Riese" eingerichtet, das der Kommandatur Groß-Rosens unterstand. Damals entstanden fünf Lager und dreizehn Arbeitskommandos. Lager Nr.1 in Walim, welches für den Komplex "Riese" vorgesehen war, befand sich im Spinnereigebäude der Aktiengesellschaft Websky, Hartmann & Mau (von 1945-1992 Leinenfabrik "Walim").
Mit der Intervention des Hauptinspektors der Luftwaffe, Feldmarschall Erhard Milch, in Hitlers Quartier am 6. April 1944 wird die Existenz einer kleinen Zementzuteilung für die Planung eines neuen Hauptquartiers bekannt, dessen Errichtung in der Nähe von Waldenburg in Schlesien 28000 Tonnen Beton und Stahl verschlingen sollte. Sehr wahrscheinlich betreffen diese Informationen die unterirdischen Anlagen und das Schloss Fürstenstein.
Albert Speer, seit 1942 Hitlers Rüstungsminister, informierte Hitler am 20. Juni 1944 unter anderem darüber, dass am Bau des Hauptquartiers ungefähr 28000 Arbeiter beteiligt seien. In einem Schreiben vom 22. September 1944 an Hitlers Adjutanten für Wehrmachtsangelegenheiten konstatiert er, dass bis zu jenem Zeitpunkt für die Verwirklichung des Schutzraumkomplexes "Riese" bei Jedlina Zdrój 150 Mio. Reichsmark ausgegeben wurden - vier Mal so viel wie für die Schutzanlagen in Kêtrzynie und die zwölffache Summe der Kosten für das Objekt in Pullach bei München.
Man muss dabei die Tatsache berücksichtigen, dass die Arbeiten im Eulengebirge bis zum Jahreswechsel 1944/45 und teilweise auch länger fortgeführt wurden, bis Mai 1945. Der Umfang unterirdischer Stollenarbeiten und der Verbrauch an Baumaterialien vergrößerten sich also im Vergleich zu den oben angeführten Werten zweifelsohne noch. Die gegenwärtig bekannten 97500 m? stellen lediglich 45% des Stands vom September 1944 dar. Jedoch ist klar, dass das Projekt "Riese" mehr Beton in Ansprch nahm als 1944 für den Bau von Schutzräumen für die gesamte Zivilbevölkerung.
Die meisten Komplexe wurden in relativ geringem Abstand voneinander angeordnet. Sie befinden sich im Umkreis von 2,5 km um den Gipfel W³odarz und abgesehen von "Ksi¹¿" ist lediglich "Sokolec" etwa 5 km von dieser zentralen Arbeitsregion entfernt. Alle unterirdischen Bauten wurden mit ähnlichen technischen Mitteln errichtet. Vom Berbhang aus wurden Stollen ins Berginnere vorgetrieben. Man führte die Untergrundarbeiten unter Anwendung typisch bergmännischer Methoden durch, indem man Öffnungen in den Fels bohrte und sie mit Sprengstoff erweiterte. Das Gestein wurde mit Schmalspurbahnen an die Oberfläche befördert und die kammerartigen Hohlräume mit Stahlbetonverschalungen verstärkt.
Zu den unterirdischen Bauten gehören zahlreiche oberirdische Anlagen, die in der näheren Umgebung zu finden sind: Lager für Arbeiter, Werkstätten, Halden für Zement, Sand und Zuschlagstoffe, Abladeflächen, Kompressoren für die Luftzirkulation in den Stollen. Des Weiteren wurde ein aufwändiges Infrastrukturnetz angelegt. Fragmente von Straßen, Schienen, Wasser-, Telefon- und Elektrizitätsleitungen sowie Kanalisationssystemen sind bis heute erhalten.
Das Projekt "Riese" ist zu Kriegszeiten nicht fertig gestellt worden. Durch den nach dem Krieg einsetzenden Verfall und das Fehlen einschlägiger Dokumente und Ausführungsunterlagen ist es nicht möglich seinen Zweck eindeutig zu bestimmen. Allerdings gibt es zwei Hypothesen, welche durch die Untersuchungen vor Ort und in Archiven sowie die Befragung von Zeugen gestützt werden. Demnach könnte es sich um Industrie- bzw. Forschungsstätten handeln. Doch plädieren Wissenschaftler eher für einen weiteres, unterirdisches Hauptquartier Hitlers.


Quelle: Kruszyñski, Piotr:
Podziemia w Górach Sowich i Zamku Ksi±¿.
2. Auflage. Wa³brzych, 1998.
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Wykonanie Bart³omiej Zalas