Datum: 07-09-2010 17:46

Der unterirdische Komplex "Rzeczka"

Der unterirdische Besucherpfad im Komplex "Rzeczka" ist ein Überbleibsel eines der geheimnisvollsten Bergbauvorhaben, die während des Zweiten Weltkriegs zur Zeit des Dritten Reiches im Eulengebirge durchgeführt worden. Er befindet sich auf der Ostseite des Berges Ostra (653,3 m) zwischen Walim und Rzeczka und weist eine konstante Temperatur von 5-7°C auf.
Der Grundriss des unterirdischen Teils des Komplexes ähnelt in seiner Form dem Buchstaben E. Er setzt sich aus drei zu einander parallelen, unverschalten Stollen zusammen, deren gegenseitige Entfernung vierzig bzw. fünfzig Meter beträgt, die durch ein rechtwinkliges System von Kammern, sog. Hallen, miteinander verbunden werden. Bemerkenswert an der Vorgehensweise beim Bau der Stollen ist, dass zunöchst zwei übereinander liegende Schächte gegraben wurden, die dann durch Sprengung der Mittelebene miteinander verbunden wurden. Ein Teil des so entstandenen Tunnels wurde mit Stahlbeton ausgebaut.
Die Gesamtlänge des unterirdischen Kammernetzes beträgt ca. 500 m, sein Volumen 14000 m3, die Fläche der dazugehörigen oberirdischen Anlagen 2500 m2.
Im Komplex befindet sich eine fast fertig gestellte Wachstube zur Besichtigung, in der nebst diversen Exponaten zahlreiche Dokumente zusammen gestellt wurden, die Informationen über sämtliche Komplexe beinhalten. Ebenso befindet sich dort eine Kamera, die dem Besucher einen Einblick in ein sehr spezifisches technisches Verfahren gewährt. Durch die zweite, auf der anderen Seite begonnenen Kammer wird klar, auf welche Art und Weise die Hallen errichtet werden. Es handelt sich hierbei um zwei unvollendete, d.h. nicht mit einander verbundene Kammern.
Die Dimensionen der Hallen sind beeindruckend. Die "Technische Kammer", die die Stollen I und II verbindet, ist beispielsweise 32 Meter lang und sechs Meter hoch. Ihre Wände gleichen auf der ganzen Länge denen der Stollen. 1994 stieß man auf einen gefluteten Schacht, der höchstwahrscheinlich zu einer tieferen Ebene des Komplexes führte. Ein interessantes Detail stellt hierbei der Messpunkt dar, der, von Stahl umschlossen und einbetoniert, in dieser Ausführung einzigartig in allen Komplexen ist.
Zu besichtigen ist weiterhin Geröllhaufen von ca. 30 Metern Höhe und fünf Metern Durchmesser, zu dessen Entstehung es zwei Theorien gibt. Entweder ist dies ein Lüftungsschacht, der vor Kriegsende zugeschüttet wurde, um das Objekt zu verbergen; doch ist dies eher unwahrscheinlich. Näher an der Wahrheit dagegen ist die These, dass es sich hierbei um die Spuren eines Felssturzes in Folge einer Erderschütterung handelt.
Am gewaltigsten ist die Verbindungshalle zwischen Stollen I und III (80 m lang, 8 m breit, 10 m hoch). Zwar ist sie nur bis zur Hälfte fertig gestellt worden, doch existiert ein schmaler Durchgang unter der Decke, der bis ans Ende führt. Dieser Ort wird auch "Guillotine" genannt, da er im Jahre 1978 von einem Studenten betreten wurde, der, im unabgesicherten Gang umherlaufend, tödlich verunglückte.
Durch ihr spezielles Klima werden die Stollen im Winter zu einem hevorragend geeigneten Refugium für Fledermäuse, von denen man im Glücksfalls während des Rundgangs einige zu Gesicht bekommen kann.
Der überirdische Teil des Komplexes ist kaum erschlossen. Die so genannten Plattformen, von denen das Erdreich abtransportiert und die Baustelle koordiniert wurde, sind verschüttet. Erkennbar dagegen sind die ehemaligen Verläufe der Schmalspurbahnen vom Eingang der Stollen zum Nachbardorf Rzeczka. Sie verbanden das Objekt mit den Geröllhalden sowie seinen erforderlichen Ressourcen, z.B. den Zementmagazinen und dem für den Bau benötigten Holz, das in einem Sägewerk verarbeitet wurde.
An etlichen Stellen auf dem Gelände trifft man auf Reste von Betonfundamenten, über deren Bestimmung es recht konkrete Vorstellungen gibt. So dienten sie zwischen den Stolleneingängen II und III wohl als Zufahrt für Zugmaschinen oder Kompressoren, könnten aber auch Fundamente von Strommasten gewesen sein. Auf einer etwas entfernten Ziegelbrücke waren sie wohl Teil einer Transportrampe zu den Stollen von der Straße von Walim nach Rzeczka.Große Wirtschaftsgebäude erhoben sich auf denen, die am rechten Ufer das Flüsschens Walimka liegen. Dieses wird übrigens von der metallenen Bailey-Brücke überspannt, die aus derselben Zeit wie die benachbarten Bauten stammt. In einem von ihnen war damals das Baustellenbüro untergebracht. Oberhalb der Baustelle wurde eine Schmiede betrieben, die heutzutage als Erholungsheim dient. In Rzeczka gab es zudem noch eine große, bis heute erhaltene Telefonzentrale.
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